Die Baienfurter CDU - Eine Chronik

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs gehörte Baienfurt zum französischen Besatzungsgebiet. Um eine Neuordnung des politischen Lebens zu ermöglichen, erging am 1.3. 1946 eine Anordnung an alle Bürgermeisterämter, die Bildung von Parteien zu ermöglichen. Vom Gouverneur für das französisch besetzte Gebiet Württembergs und Hohenzollerns wurden am 18. März 1946 folgende politische Parteien genehmigt:

  1. die Sozialdemokratische Partei
  2. die Christlich Demokratische Partei
  3. die Kommunistische Partei

Noch im März 1946 kam es zur Gründung der Baienfurter CDU. Im Gründungsjahr übernahm Karl Koch den Vorsitz des Ortsvereins bis zu den ersten Kommunalwahlen. Baptist Sättele war von 1946 bis 1958 Vorsitzender der Baienfurter CDU.

Es war damals nicht einfach, Persönlichkeiten für politische Parteien zu finden, die den Anforderungen der Siegermächte entsprachen. Zu diesen Persönlichkeiten am Ort zählte auch Wendelin Felder, Prokurist der Papierfabrik. Schon während der NS-Zeit hat er sich vehement mit der Obrigkeit angelegt. Ein Grund war die Abberufung der kirchlichen Schwestern, die im sozialen Bereich in Baienfurt tätig waren. Ein besonderes Verdienst von Wendelin Felder war auch, dass er beim Einmarsch der alliierten Truppen für die Beseitigung der Panzersperren am „Löwen“ und an der großen Eiche bei der Papierfabrik sorgte. Wahrscheinlich hat sein Einsatz Baienfurt vor einer großen Katastrophe gerettet, denn beim Beschuss des Ortes und der Papierfabrik wären möglicherweise riesige Chlorgasmengen freigeworden.

Wichtigste Aufgabe war, das politische Leben in Baienfurt nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur neu zu ordnen und die existenziellen Bedürfnisse der Bewohner (Wohnung, Nahrung, Arbeit) sicherzustellen. An allem herrschte großer Mangel. Für die Dinge des täglichen Bedarfs und für die Nahrungsmittel gab es Bezugsscheine. Grammweise wurden Lebensmittel wie Teigwaren und Butter der Bevölkerung zugeteilt. Viele Menschen, die in Schlesien, Ostpreußen, Böhmen und Mähren ihre Heimat verloren haben, mussten mit Wohnraum versorgt werden, genauso wie junge heimische Familien. Und das ging nicht immer ohne Zwangseinweisungen bei den hiesigen Hausbesitzern.

Während die CDU am Anfang etwa 40 Mitglieder hatte, stieg in dieser harten Zeit die Mitgliederzahl bis zur Währungsreform auf über 70 an. Sicher waren darunter auch einige Opportunisten, die ihre braune Vergangenheit mit dem „C“ in der Christlich Demokratischen Union in ein anderes Licht stellen wollten und auch solche, die sich materielle Vorteile bei der Währungsreform erhofften. Frauen waren damals keine im Mitgliederverzeichnis.

Am 15. September 1946 fand in Baienfurt die erste Gemeinderatswahl statt. Für die neugegründete CDU bedeutete dies die erste große Herausforderung. Es mussten geeignete Kandidaten für die verantwortungsvollen Aufgaben gefunden werden.

Im ersten Baienfurter Gemeinderat, der auf zwei Jahre gewählt wurde, erhielt die CDU 5 der 8 Sitze. Gewählt wurden nach der Reihenfolge der Stellen und Stimmenzahlen.

Im November 1948 wurde wieder gewählt, diesmal umfasste der Gemeinderat 12 Mitglieder. Eine Hälfte wurde auf drei, die andere auf sechs Jahre gewählt. Von den 12 Gemeinderäten stellte die CDU 9, die SPD 2 und die KPD 1.

Sie waren geprägt von wachsendem Wohlstand. Die Baienfurter Infrastruktur erfuhr einen nachhaltigen Ausschwung. Auch von ferne schon war das zu sehen: der Kirchturm und das Feuerwehrhaus wurden gebaut, Einrichtungen wie die Aussegnungshalle entstanden. Für die wachsende Bevölkerungszahl wurde an der Friedhofsstraße ein großzügig ausgelegtes Schulhaus mit Turnhalle errichtet.

Zwei Vorsitzende bestimmten das Geschehen der CDU in den 60er-Jahren. Dr. Max Gögler übernahm 1962 den Vorsitz der Baienfurter Christdemokraten. Alois Mehrle war in den Jahren 1967 bis 1970 Vorsitzender des Ortsvereins.

Mit den 60er-Jahren beginnt in Baienfurt die „Ära Brenner“.

Zukunftsweisende Entscheidungen für die Grundversorgung der Bürger wurden getroffen, wie der Entschluss, das Trinkwasser aus dem Quellvorkommen des Weißenbronnens zu entnehmen. Bis heute sorgt diese große Investition für eine hohe Lebensqualität in Baienfurt, denn unser Wasser hat stets vorzügliche Qualität, ist stets ausreichend vorhanden und das zu einem sehr günstigen Preis.

Große Flächen der Gemarkung im Bereich Leggen und im Schacherösch wurden zur Wohnbebauung bereitgestellt. So kam es auch 1962 zur Erweiterung des Friedhofs und zum Bau der Achtalschule. Wichtigste kommunalpolitische Aufgabe war darüber hinaus die Sanierung, in diesem Falle die komplette Neugestaltung der Ortsmitte. Wo einst die markanten Gebäude der Löwenbrauerei, die ausgedehnten Stallungen, der Saalbau und der Gasthof „Löwen“ standen, sollte ein neuer Gemeindemittelpunkt mit Rathaus, Festhalle, Gastronomie, Geschäften und anderen Dienstleistungen entstehen.

Gregor Spitzmüller wurde 1970 von der Mitgliederversammlung zum Vorsitzenden der Baienfurter CDU gewählt. Er hatte dieses Amt bis 1977 inne.
Zentrales Anliegen von Spitzmüller und der Baienfurter CDU war es, die Selbständigkeit der Gemeinde zu erhalten. Die CDU-Baienfurt war maßgeblich an der Gründung des Gemeindeverbands Mittleres Schussental zum Zwecke der regionalen Zusammenarbeit in unserem Umfeld beteiligt. Wichtige Vorhaben in der Neugestaltung des Ortsmittelpunkts fanden ihren Abschluss. Das neue Rathaus mit der Gemeindebücherei wurde fertiggestellt, ebenso die als Mehrzweckhalle konzipierte Turn- und Festhalle. Die Einrichtung des Wochenmarkts stieß auf großes Interesse bei der Bevölkerung. Großen Zuspruch erfuhr auch das städtebaulich und gestalterisch gelungene Ozon-Hallenbad bei den Schulen und der Bürgerschaft. Außerdem wurde das Wohn- und Geschäftshaus Marktplatz 9 mit seinen Läden, Geschäftsräumen, Arztpraxen und den 12 Wohnungen noch in den 70er-Jahren vollendet. In dieselbe Zeit fällt auch die Errichtung des Kindergarten Weidenösch, der Kindertagestätte Baindterösch, der Sonderschule für lernbehinderte Kinder und die Renovierung des Kinderbads bei Kickach. Durch die Ausweisung weiterer Baugebiete im Schacher- und Weidenösch wuchs die Zahl der Einwohner auf rund 6000.

Ab 1977 übernahm Engelbert Knitz den Vorsitz im CDU-Ortsverband.

Unter seiner Führung wuchs die Baienfurter CDU zum drittgrößten Ortsverband im Kreis Ravensburg. Die Mitgliederzahl verdreifachte sich. Zahlreiche politische und gesellschaftliche Aktivitäten gaben Ausdruck von einer tatkräftigen Führungscrew und einer engagierten Mitgliederschaft.

Von den zahlreichen Aktivitäten in dieser Zeit seien nur ein paar genannt.

Mit großem Nachdruck hat gerade die CDU als Ortsverband und als Gemeinderatsfraktion den Bau des Altenpflegeheims gegen vielfältige Widerstände verfolgt.
Um dem immer weiter steigenden Bedarf von Schulen und Vereinen gerecht zu werden, musste der Bau einer Sporthalle in Angriff genommen werden. Verwaltung und Gemeinderat haben sich große Mühe gegeben, eine für Baienfurter Bedürfnisse zugeschnittene Halle kostengünstig und städtebaulich, wie architektonisch ansprechend in die Nähe der Schulen zu platzieren.

Die Verantwortung trugen in den 80er-Jahren diese CDU-Gemeinderäte.

Die 90er-Jahre begannen mit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. Dies war für unseren Ortsverband Anlass, über unsere Gemeindegrenzen hinaus politisch aktiv zu werden. Bald nach der Grenzöffnung wurden Kontakte zum Ortsverband der CDU in Graupa geknüpft. Graupa liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum berühmten Schloss Pillnitz am rechten Elbufer. Mittelpunkt der ca. 3000 Einwohnergemeinde, die inzwischen nach Pirna eingemeindet wurde, ist das Schloss, sowie von kultureller Bedeutung ist das Richard-Wagner-Museum. Zur Volkskammerwahl im April 1990 hat unser Ortsverband mit einer kleinen Delegation Wahlkampf- und Argumentationshilfe geleistet. Aus dieser Verbindung entstand bald eine Freundschaft auch auf Gemeindeebene. Inzwischen gibt es zwischen Baienfurt und Pirna/Graupa eine rege gepflegte Städtpartnerschaft.

Immer knapper werdende Haushaltsmittel bedeuten für die Gemeinde, deren Bürgermeister nun Robert Wiedemann heißt, dass viele wünschenswerte Dinge in absehbarer Zeit nicht realisiert werden können (z.B. Freibad). So blieb die Erweiterung des Feuerwehrhauses mit Bauhof eine der wenigen öffentlichen Bauvorhaben. Schwerpunktmäßig wurde die Sanierung der Ortsmitte angegangen, sowie die Bereitstellung von Bauland.

Ein Herzensanliegen der Baienfurter CDU war schon seit vielen Jahren, den Durchgangsverkehr der B 30 aus der Ortsmitte herauszubekommen. Die ständigen Verzögerungen veranlassten die Baienfurter Christdemokraten sogar, eigene Ideen und Planungen, die von Erwin Gebhard erarbeitet wurden, dem Regierungspräsidium und den Abgeordneten zukommen zu lassen. Erwin Gebhard war eine wichtige Person im Ortsverband. Lange Zeit war er stellvertretender Vorsitzender. Ohne seinen großen Einsatz hätte die Baienfurter CDU nicht diese Erfolge aufweisen können. Stets hat er nicht nur seine Werkskantine für CDU-Sitzungen zur Verfügung gestellt, sondern auch viel Zeit und finanziellen Einsatz für die CDU gebracht.

Die Demonstration der Baienfurter CDU auf dem Kreisparteitag in Haidgau gegen die schleppende Planung der B 30 wurde mit dem Erfolg gekrönt, dass Ministerpräsident Erwin Teufel die B 30 zu seiner Chefsache erklärte und eine rasche Entscheidung versprach.

Mit roten Transparenten demonstrierten damals Baienfurter CDUler vor über 300 Parteifreunden in Haidgau wie: „20 Jahre geschwätzt – B 30 jetzt“.


Kontakt

CDU Gemeindeverband Baienfurt Tina Schädler
88255 Baienfurt
info@cdu-baienfurt.de


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